Attat Hospital in Äthiopien
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Fotos: © Christel Remke-Smeenk

Hohe Auszeichnung für Sr. Inge

Sr. Inge Jansen hat am 15. August 2012 in der Botschaft in Addis Abeba das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Frau Botschafterin Lieselore Cyrus erhalten. 

Sr. Inge Jansen wurde am 11. März 1935 in Emmerich am Niederrhein geboren. Sie war das zweite von sechs Kindern, ging in Emmerich zur Schule und machte eine Kaufmannslehre im elterlichen Fahrrad- und Nähmaschinen-Geschäft.

Eines Tages kamen zwei holländische Missionsärztliche Schwestern in die katholische Kirchengemeinde nach Emmerich und erzählten über ihre Missionstätigkeit. Sr. Inge spürte wie sie Feuer und Flamme war. Sie entschied sich ebenfalls Missionsärztliche Schwester zu werden. Ihr Vater bestand darauf, dass sie diesen Schritt erst machen durfte, wenn sie volljährig sei, damals mit
21 Jahren.

Im Januar 1957 verließ sie Deutschland ohne ein Wort Englisch zu können, um in England in die Ordensgemeinschaft einzutreten, da es in Deutschland zu der Zeit noch keine Niederlassung gab. Nach dem sie erfolgreich Englisch und Bridge spielen gelernt hatte, kam sie gut zurecht. Auch die ernsten Aspekte von Gemeinschafts- und Ordensleben gefielen ihr gut, so dass sie im Februar 1960 ihre ersten Gelübde ablegte.

Dies fiel mit der Neugründung einer Niederlassung der Missionsärztlichen Schwestern in Deutschland zusammen, so dass Sr. Inge gebeten wurde beim Neuanfang zu helfen.

Nach ein paar Jahren als “Hausfrau”  bei der Neugründung in Essen  folgte die Ausbildung zur Krankenschwester. Im Januar 1968  war die Ausreise nach Uganda in eines der ordenseigenen Krankenhäuser.

Während der Monate in Uganda galt der Auftrag so viel wie möglich darüber zu lernen wie man ein Krankenhaus gründet. Die  Neugründung des Attat Hospitals war am Horizont.

Im Herbst 1968 begannen zwei deutsche und zwei indische Missionsärztliche Schwestern, darunter Sr. Inge Jansen ihren Sprachkurs in Addis Ababa. Damals war sie 33 Jahre alt.

Im folgenden Jahr  ging es dann zwischendurch immer schon für kurze Aufenthalte nach Attat, um die Planung voranzutreiben.

Aus dem leerstehenden Schulgebäude sollte eine Gesundheitsstation und eventuell ein Krankenhaus werden. Bis zu einem bestimmten Fluss gab es eine Schotterpiste ab Addis Ababa und ab Flussufer ging es  dann über Stock und Stein feldein, so dass man nur während der  Trockenzeit Transporte veranlassen konnte. Das Wichtigste war ein Generator für Strom und ein paar Matten für die Patienten, die zuchst auf dem Boden lagen.

Da es an fast allem fehlte, galt es viel zu improvisieren. So platzierte man die schwerkranken Patienten auf Matten sternförmig auf dem Boden um einen Holzständer mit Nägeln für die Infusionsflaschen.

Zu Beginn, in den 1980er Jahren, waren zwölf Ordensschwestern das einzige Fachpersonal in dem Krankenhaus. Nach einem Tag in der Ambulanz ging Sr. Inge mit den anderen Schwestern abends noch  zum Operationssaal Augen operieren oder das Sterilisationsgut für den nächsten Tag vorbereiten.

Mit zunehmend mehr Patienten und mit langsam herangebildeten äthiopischem Pflegepersonal war es dann möglich und nötig, dass Sr. Inge für die Verwaltungsaufgaben frei gestellt werden konnte.

So hat Sr. Inge während der Ära des Kaisers, des Derg Regimes und jetzt unter der Hadik Regierung, die finanzielle Seite des Unternehmens geführt und koordiniert. Was sie einst allein bewältigte, ist heute zu einer kleinen Verwaltungsabteilung mit sieben Mitarbeitenten geworden. Seit 42 Jahren ist Sr. Inge die Säule in Attat, die einzige Schwester, die nie versetzt wurde und die ganze Krankenhaushistorie als Teil ihrer Lebensgeschichte durchlebt hat.

Über so viele Jahre wird natürlich Veränderung und Wachstum deutlich. Sr. Inge beschreibt neben besserer Gesundheit der Bevölkerung als signifikanteste Änderung den Bildungswillen der Menschen.

Am Anfang konnte man nur mit viel Mühe Leute dazu überreden die Schule fertig zu machen oder eine formale Ausbildung zu absolvieren. Es war unheimlich mühsam Leute zu qualifizieren. Mittlerweile laufen uns dieselben Personen (jetzt Angestellte des Krankenhauses und Eltern) die Türen ein, damit wir die Ausbildung ihrer Kinder unterstützen oder ermöglichen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht was Schulbildung angeht, und dies schließt Mädchenbildung selbstverständlich mit ein.

Inzwischen hat das Attat Projekt 170 äthiopische Mitarbeitende. Dank ihrer guten Gesundheit kommt Sr. Inge täglich ins Büro und deligiert, lernt neue Leute an und ist dankbar für jeden Tag den Gott ihr schenkt.

Nach so vielen Jahren in Äthiopien hat Sr. Inge den Wunsch und die Erlaubnis hier im Land ihren Lebensabend verbringen zu dürfen.

Für Viele ist ihr gelebtes Gottvertrauen und ihr treuer, täglicher Einsatz eine Ermutigung. Die gemischten Erfahrungen von 42 Jahren haben Sr. Inge nicht bitter oder zynisch werden lassen, sondern gelassen und dankbar - das ist schön zu erleben. Und da im Leben nichts umsonst ist, profitieren wir als Schwesterngruppe bis täglich von ihren Erfahrungen aus der Küchenzeit in Essen. Sr. Inge koordiniert nämlich auch das leibliche Wohl in unserer Kommunitätsküche - Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Fragt man Sr. Inge nach einem Lebensmotto zitiert sie gerne
»
Send to spend in service«.

Dies umschreibt in der Tat ihren Lebensweg und hat sie zu einem glücklichen Menschen gemacht.

Sr. Rita Schiffer

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